Der Trauerprozess, der mit dem Verlust eines Kindes einhergeht,
beginnt schon sehr früh, nämlich dann, wenn Eltern begreifen müssen,
dass es keine Hilfe mehr geben wird, wenn medizinisch alles mögliche
getan wurde und trotzdem der Erfolg versagt blieb, wenn sie sich mit
dem Wissen abfinden müssen: Unser Kind muss uns verlassen ...
Die Verarbeitung der Trauer endet nie. Menschen, die ein Kind „über“lebt
haben, sehen die Welt mit anderen Augen. Manchen aber gelingt es,
diese Erfahrung in Projekte einzubringen, die anderen Betroffenen
vielleicht eine Hilfe sein können.
Frau Ahrens ist diesen Weg gegangen. Sie hat mit Menschen Kontakt
gesucht, die sich für sterbende Kinder, Jugendliche und deren
Familien einsetzen und sie hat Orte besucht und beschrieben, wo sich
dieses letzte Kapitel eines jungen Lebens abspielt. Daraus ist das
Buch „Engel auf Erden“ entstanden – ein umfassender Bericht, der
mich an vielen Stellen tief berührt hat.
„Engel auf Erden“ öffnet das Tor zu einer „Rest“welt, die
normalerweise eher verborgen bleibt.
Sie werden den Weg dahin zusammen mit der Autorin gehen und
beeindruckend miterleben, welche tragischen Geschichten sich an
Orten abspielen, zu denen Sie sonst keinen Zugang haben. Das Buch
zeigt verschiedene Initiativen auf und stellt Einrichtungen vor, die
Hilfe bieten.
Das sensible Thema wird durch „Engel auf Erden“ behutsam und
einfühlsam ins Licht gerückt. Das Buch lässt jedem Leser selbst die
Möglichkeit zu entscheiden, wie weit er diesen Weg mitgehen will und
kann. Es ermöglicht aber auch, die Probleme zu verstehen und zu
erkennen, welche Hilfen sinnvoll sind.
Das Buch schildert eindringlich eine Thematik, die in unserer Zeit
eher tabuisiert wird – es zeigt wie nahe beieinander Leben und
Sterben liegen und wie eng Freude und Trauer miteinander verflochten
sind.
Wir leben heute in einer Mediengesellschaft. Das bedeutet, dass
Dinge in ihrem Wert daran gemessen werden, wie sie in den Medien
präsent sind. Sensationen zählen, machen Quote ... das Leiden
kranker Kinder und Jugendlicher kann hier nur in geringem Maße
Aufmerksamkeit erregen, zumal es zwingend notwendig ist, die
betroffenen Familien zu schützen und eben nicht der
Medienöffentlichkeit auszuliefern.
Frau Ahrens hat diese Gratwanderung sensibel bewältigt. Betroffene
Kinder, Jugendliche und deren Eltern sind einfühlsam dargestellt
ohne dass Grenzen der ethischen Verantwortung verletzt wurden.
Dennoch gelingt es dem vorliegenden Buch, uns ein Stück des Weges
miterleben und mitfühlen zu lassen und dabei viele Bereiche im
Hilfesystem kennen zu lernen.
Sie werden lesen von engagierten ehrenamtlichen und professionellen
Kräften in entsprechenden Einrichtungen; Sie werden die betroffenen
Familien und die kranken Kinder und Jugendlichen kennen lernen.
Der Autorin gebührt Dank dafür, dass sie sich dieses Themas
angenommen hat und dass sie alle Beteiligten zu Wort kommen ließ,
seien es die Mitarbeitenden oder die betroffenen Familien.
Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich gebeten wurde, zu diesem Buch
das Geleitwort zu schreiben. Als Frau und Mutter kenne ich die
Ängste, die jeden von uns befallen, wenn ein Kind erkrankt ist. Als
Geschäftsführerin des Bundesverbandes Kinderhospiz e.V. bin ich seit
geraumer Zeit mit der Thematik sterbender Kinder und Jugendlicher
vertraut. Und so wünsche ich mir, dass dieses Buch viele Menschen
erreichen möge, dass viel über den Inhalt gesprochen wird und es so
vielleicht gelingt, dieses Thema in der Gemeinschaft zu verankern
und so allen zu helfen, den schweren Weg der Betroffenen zu
erleichtern.
Die Autorin konnte eindringlich aufzeigen, wie viel Kinder ihren
Eltern schenken können, auch wenn sie zu früh gehen müssen. Sie hat
außerdem einen Beitrag dazu geleistet, Betroffenen zumindest die
Sorge zu nehmen, dass sie mit dem Sterben ihres Kindes alleine
seien. Dafür, verehrte Frau Ahrens, gebührt Ihnen unser aller Dank!